Krisen entstehen nicht über Nacht: Fünf Lehren aus der Turnaround-Praxis
Viele Unternehmenskrisen beginnen nicht mit einem einzelnen dramatischen Ereignis. Sie entwickeln sich, wenn Warnsignale übersehen, Entscheidungen vertagt und operative Probleme zu lange isoliert behandelt werden. Das neue Fachbuch „Turnaround-Management: Restrukturierung in der Praxis“ bündelt Erfahrungen aus realen Mandaten und zeigt, wie Unternehmensleitungen früher Klarheit schaffen, Prioritäten setzen und die Umsetzung wieder wirksam führen können.
Herausgegeben wurde der Band von Dr. Harald Schönfeld, Geschäftsführer von butterflymanager. Gemeinsam mit sieben erfahrenen Interim Managern und Restrukturierungspraktikern beleuchtet das Buch die Aufgaben, die entstehen, wenn Liquidität, Ergebnis, Lieferfähigkeit, Führung und Vertrauen gleichzeitig unter Druck geraten.
Worum es im Buch geht
Turnaround und Restrukturierung sind nicht allein Finanzthemen. Sie betreffen die gesamte Handlungsfähigkeit eines Unternehmens: Liquidität und operative Leistung, klare Führung und Governance, Kunden- und Lieferantenbeziehungen, Priorisierung, Kommunikation sowie die konsequente Umsetzung notwendiger Entscheidungen.
Das Buch verbindet diese Perspektiven mit Erfahrungen aus Industrie, Maschinen- und Anlagenbau, Automotive, Bau, Logistik, Handel, Dienstleistungen und internationalen Organisationen. Die beteiligten Praktiker berichten aus Verantwortung als Interim CEO, CRO, COO, CFO, Geschäftsführer, Werkleiter, HR-Leiter, Restrukturierungsmanager sowie als Beiräte und Aufsichtsräte.
Die wirtschaftliche Lage unterstreicht die Aktualität des Themas: Die deutschen Amtsgerichte registrierten 2025 insgesamt 24.064 beantragte Unternehmensinsolvenzen – 10,3 Prozent mehr als im Vorjahr. Zur Destatis-Meldung „Unternehmensinsolvenzen im Jahr 2025“.
Fünf Lehren für Unternehmensleitungen
1. Frühwarnung ist Führungsaufgabe
Krisen kündigen sich häufig in zunächst isoliert wirkenden Signalen an: schwächere Auftragseingänge, längere Vertriebszyklen, sinkende Margen, steigende Bestände, verspätete Zahlungseingänge oder zunehmende operative Reibung. Kritisch wird es, wenn diese Hinweise nicht zusammengeführt werden.
Das Buch plädiert für systematische Krisenfrüherkennung, belastbare Steuerungsinformationen und klare Verantwortlichkeiten. Auch § 1 StaRUG verpflichtet Geschäftsleiter haftungsbeschränkter Unternehmensträger zur fortlaufenden Überwachung bestandsgefährdender Entwicklungen und zu geeigneten Gegenmaßnahmen. Zum Gesetzestext des StaRUG.
2. Liquidität schafft Zeit – ersetzt aber kein tragfähiges Geschäftsmodell
Liquidität zu sichern ist in einer Krise unverzichtbar. Sie schafft Zeit für Entscheidungen und Maßnahmen. Sie ersetzt jedoch weder ein tragfähiges Geschäftsmodell noch die operative Neuaufstellung eines Unternehmens.
Erforderlich sind eine realistische Liquiditätsplanung, ein klarer Blick auf Cash-Treiber, professionelle Kommunikation mit Finanzierungspartnern und Maßnahmen, die operative Leistung, Kundenorientierung und Ergebnisqualität verbessern. Reine Sparprogramme können kurzfristig entlasten, lösen aber nicht zwangsläufig die Ursachen einer Krise.
3. Klare Rollen und schnelle Entscheidungen sind entscheidend
In kritischen Situationen müssen Geschäftsführung, Gesellschafter, Beirat oder Aufsichtsrat, Banken und weitere Stakeholder wissen, welche Informationen sie benötigen, wer Entscheidungen trifft und wann eskaliert wird. Unklare Verantwortlichkeiten verlängern Krisen; eine abgestimmte Steuerungs- und Kommunikationslogik schafft Handlungsspielraum.
„Turnarounds gehören zu den anspruchsvollsten Herausforderungen in der Unternehmensführung. Anders als bei Transformationen, die auf Wachstum oder Innovation abzielen, geht es hier ums nackte Überleben. In solchen Situationen braucht es professionelles Krisenmanagement, schnelle Entscheidungen und die konsequente Umsetzung oft schmerzhafter Maßnahmen.“
Dr. Harald Schönfeld
4. Fokus schlägt Aktivismus
Unter Druck reagieren Unternehmen häufig mit zu vielen Initiativen gleichzeitig. Das erzeugt Reibung, bindet knappe Führungskapazität und macht die operative Lage unübersichtlicher.
Die Beiträge im Buch zeigen einen anderen Weg: Wenige priorisierte Hebel mit hoher Wirkung, klaren Verantwortlichkeiten und einem verbindlichen Umsetzungsrhythmus schaffen Orientierung. Im Turnaround geht es nicht um ein möglichst umfangreiches Maßnahmenprogramm, sondern um die Fähigkeit, die wichtigsten Aufgaben konsequent zu führen.
5. Erfahrene Führung auf Zeit kann Handlungsfähigkeit schaffen
Wenn interne Kapazität, spezifische Krisenerfahrung oder eine neutrale Umsetzungsinstanz fehlen, kann ein Interim Manager operative Verantwortung übernehmen und die Organisation stabilisieren. Entscheidend sind dabei ein präzise geklärter Auftrag, passende Rollen- und Branchenerfahrung, Stakeholder-Kompetenz und Startfähigkeit.
Acht Praktiker berichten
Neben Dr. Harald Schönfeld haben sieben erfahrene Interim Manager und Turnaround-Praktiker an dem Buch mitgewirkt:
Jan Beutnagel, Ulf Camehn, Eckhart Hilgenstock, Christian Jung, Klaus-Peter Stöppler, Paul Stricker, Jane Enny van Lambalgen
Ihre Perspektiven reichen von Liquidität, Governance und Krisenfrüherkennung über Produktion, Einkauf, Qualität, Lieferketten und Personal bis zu Führung, Kommunikation, Transformation und internationaler Unternehmenssteuerung.
Was dies für Unternehmen bedeutet
Dr. Harald Schönfeld ist Herausgeber des Bandes und Geschäftsführer von butterflymanager. Seit 2003 beschäftigt er sich mit der Auswahl und Begleitung von Interim Managern für kritische Führungs-, Transformations- und Restrukturierungsaufgaben.
Die unterschiedlichen Praxiserfahrungen im Buch machen eine zentrale Erkenntnis sichtbar: Turnaround ist nicht nur eine Frage der Zahlen. Er ist eine Führungs- und Umsetzungsaufgabe. Unternehmen gewinnen Handlungsspielraum, wenn sie Warnsignale früh ernst nehmen, Rollen und Verantwortlichkeiten klären, sich auf die entscheidenden Hebel konzentrieren und erforderliche Erfahrung rechtzeitig hinzuziehen.
Für butterflymanager bestätigt dies eine Erfahrung aus der täglichen Praxis: In kritischen Unternehmenssituationen entscheidet ein präzise geklärter Auftrag, die passende Erfahrung, Kompetenz und Persönlichkeit des Interim Managers für die jeweilige Lage und eine Begleitung, die Start und Umsetzung absichert.
Vertrauliche Anfrage
Wenn Ihr Unternehmen eine Restrukturierungs-, Liquiditäts-, C-Level- oder Transformationsaufgabe kurzfristig verstärken muss, können Sie die Ausgangslage vertraulich mit butterflymanager besprechen.
Zum Buch
| Titel | Turnaround-Management: Restrukturierung in der Praxis – Wenn es um das Überleben geht |
|---|---|
| Reihe | Interim Manager berichten aus der Praxis |
| Herausgeber | Dr. Harald Schönfeld |
| Autoren | Jan Beutnagel, Ulf Camehn, Eckhart Hilgenstock, Christian Jung, Klaus-Peter Stöppler, Paul Stricker, Jane Enny van Lambalgen |
| Umfang | 312 Seiten |
| ISBN | 978-3-98674-210-2 |
| Verlag | Diplomatic Council Publishing |
| Erscheinungsdatum | 1. September 2026 |


