Tagessätze im Interim Management: Wann sind 3.000 Euro bzw. 3.500 CHF pro Tag gerechtfertigt?

Kurz beantwortet: Tagessätze von bis zu 3.000 Euro oder 3.500 Schweizer Franken können im Interim Management gerechtfertigt sein, wenn eine erfahrene Führungspersönlichkeit in einer unternehmenskritischen Situation Ergebnis-, Liquiditäts-, Transformations- oder Transaktionsverantwortung übernimmt. Entscheidend ist die nachweisbare Wirkung im Verhältnis zu Risiko, Verantwortung und wirtschaftlichem Hebel.

Tagessätze im Interim Management

Von Dr. Harald Schönfeld, Geschäftsführer und Gründer der butterflymanager GmbH

In der vergangenen Woche habe ich zwei Gespräche geführt, die mich nachdenklich gemacht haben.

Wie regelmäßig bei butterflymanager ging es um die Frage, ob ein uns bisher noch nicht so gut bekannter Interim Manager für bestimmte Kunden- und Unternehmenssituationen tatsächlich die richtige Persönlichkeit sein könnte. Nicht jeder gute Lebenslauf bedeutet automatisch, dass jemand auch für eine konkrete Unternehmungskrise, eine Transformation oder eine Führungsaufgabe auf Zeit die notwendige Wirkung entfalten wird.

Beide Gesprächspartner nannten – unabhängig voneinander – einen gewünschten Tagessatz von 3.000 Euro.

Das wäre wenig bemerkenswert, wenn der Markt für Interim Management aktuell durchgehend von hoher Auslastung und knapper Verfügbarkeit geprägt wäre. Genau das erleben viele Interim Manager jedoch aktuell nicht. Zudem sind meine Gespräche keine representative Marktstudie. Sie sind aber ein Anlass, eine grundsätzliche Frage zu stellen:

Differenziert sich der Markt für Interim Management aktuell immer mehr nach Wirkung, Verantwortung und wirtschaftlicher Tragweite?

Ich sehe deutliche Anzeichen dafür.

„Der Markt honoriert dort in besonderer Weise, wo eine Führungspersönlichkeit in kurzer Zeit WIRKUNG entfaltet – und zwar nachweisbar.“
Dr. Harald Schönfeld

Zwei Logiken zum Tagessatz im Interim Management

Nach meinem Eindruck und einem persönlichen Marktüberblick seit dem Jahr 2003 teilt sich der Interim-Markt aktuell nicht schlicht in „teure“ und „günstige“ Interim Manager. Er folgt vielmehr immer stärker zwei unterschiedlichen ökonomischen Logiken.

Die erste betrifft klar abgrenzbare operative, funktionale oder zeitlich befristete Führungsaufgaben. Dazu gehören etwa die Überbrückung einer Linienfunktion (klassische Vakanzüberbrückung), bestimmte Projektaufgaben, der Aufbau einer Funktion oder die operative Stabilisierung eines abgegrenzten Bereichs. Solche Mandate sind wichtig. Sie werden jedoch für Unternehmen häufig stärker vergleichbar. Dann gewinnen fachliche, methodische und persönliche Passung, Branchenkenntnis und selbstverständlich auch der Preis an Bedeutung.

Die zweite Logik betrifft wertkritische und unternehmenskritische Mandate. Hier geht es nicht allein darum, eine Rolle zu besetzen. Es geht darum, unter Zeitdruck Verantwortung zu übernehmen, Risiken zu begrenzen, Vertrauen neu aufzubauen oder zu erhalten, Entscheidungen operativ durchzusetzen oder eine Organisation in einer schwierigen Lage wieder handlungsfähig und profitabel zu machen.

Typische Beispiele sind:

  • Die zeitlich befristete Gesamtleitung eines Unternehmens oder eines zentralen Geschäftsbereichs als Interim CEO, Geschäftsführer, Vorstand oder COO.
  • Die verantwortliche Durchführung einer Sanierung, Restrukturierung oder eines Turnarounds, etwa als Chief Restructuring Officer (CRO).
  • Die Führung eines komplexen Großprojekts mit hohem Ergebnis-, Termin- oder Reputationsrisiko.
  • Die operative Steuerung eines M&A-, Carve-out- oder Unternehmensverkaufsprozesses.
  • Die Übernahme einer kritischen Cybersecurity– oder CISO-/ Informationssicherheits-Aufgabe.
  • Die Führung einer komplexen digitalen Transformation, deren Erfolg für Wettbewerbsfähigkeit, Skalierbarkeit oder Ertragskraft entscheidend ist. Wichtige (und aktuell stark gesuchte Managementrollen) sind dabei Chief Information Officer (CIO), Chief Digital Officer (CDO) bzw. Chief Digital and Information Officer (CDIO), Chief Technology Officer (CTO), Chief Data and Analytics Officer (CDAO), Chief AI Officer (CAIO) und Chief Information Security Officer (CISO). Bei stark kundenorientierter Digitalisierung kann es auch ein Chief Experience Officer (CXO) sein.

Nicht jeder Auftrag verlangt einen Interim Top Executive. Aber bei diesen Anforderungen können die Folgen (und Kosten!) einer Fehlbesetzung, einer zu langsamen Entscheidung oder eines unzureichend konsequent geführten Programms erheblich sein.

„In einer kritischen Situation wird eine Person gesucht, die Orientierung gibt, Entscheidungen ermöglicht und vor allem die Umsetzung konsequent in Gang bringt – und nachhält.“
Dr. Harald Schönfeld

Tagessätze bei butterflymanager

Bei butterflymanager sind die Tagessätze transparent. Sie richten sich insbesondere nach Aufgabe, Stellung, Verantwortung und Komplexität des jeweiligen Mandats. Die vollständige Einordnung finden Sie auf unserer Seite Tagessätze für Interim Manager.

Rolle Tagessatz Deutschland Tagessatz Schweiz Typische Aufgaben
Interim Experte 1.000–1.400 Euro 1.150–1.550 CHF Fachlich anspruchsvolle Management-, Projekt- und Spezialistenaufgaben
Interim Führungskraft 1.400–1.800 Euro 1.550–2.000 CHF Zeitlich befristete Führungsaufgaben, häufig zur Überbrückung einer Vakanz
Interim Executive 1.800–2.300 Euro 2.000–2.500 CHF Geschäftsführungs-, Vorstands-, Bereichs- oder Standortverantwortung sowie komplexe VeränderungsaufgabenGeschäftsführungs-, Vorstands-, Bereichs- oder Standortverantwortung sowie komplexe Veränderungsaufgaben
Interim Top Executive 2.300–3.000 Euro 2.500–3.500 CHF C-Level-Gesamtleitung, CRO- und Turnaround-Mandate, komplexe M&A-, Großprojekt-, Cyber- und Transformationsaufgaben

Tagessätze um 3.000 Euro bzw. 3.500 CHF pro Tag sehen wir derzeit vor allem im Segment der Interim Top Executives: bei Gesamtleitungsaufgaben auf C-Level, in Sanierungs-, Restrukturierungs- und Turnaround-Mandaten, bei komplexen Großprojekten sowie bei zentralen Führungsaufgaben in M&A-, Cybersecurity- oder digitalen Transformationssituationen.

Dort übernehmen anerkannte und respektierte Führungspersönlichkeiten eine zeitlich befristete Top-Management-Aufgabe. Sie bringen in der Regel besonderes Spezial-Know-how, ein belastbares Netzwerk, hohe Durchsetzungsfähigkeit und überzeugende Erfolgsnachweise mit.

Fünf Fragen vor der Auswahl eines Interim Managers

  1. Welches Risiko oder welcher Werthebel steht im Mittelpunkt? Geht es um Liquidität, Ergebnis, Lieferfähigkeit, Wachstum, Transformation, Unternehmensverkauf, Cyberrisiken oder die Stabilität einer kritischen Führungsfunktion?
  2. Welche Verantwortung muss tatsächlich übernommen werden? Wird operative Unterstützung benötigt – oder eine Persönlichkeit mit Gesamtverantwortung, Entscheidungsbefugnis und Durchsetzungskraft?
  3. Welche konkrete Wirkung muss innerhalb von 30, 60 und 90 Tagen sichtbar werden? Ohne überprüfbare Ziele ist weder die Auswahl noch die wirtschaftliche Bewertung eines Interim Managers belastbar.
  4. Welche Erfahrungen sind wirklich übertragbar? Entscheidend sind nicht die Anzahl der Stationen oder Titel, sondern vergleichbare Situationen, erzielte Ergebnisse und die Fähigkeit, unter ähnlichem Druck zu führen.
  5. Was “kostet” die Alternative? Was passiert, wenn die Vakanz zu lange besteht, ein Projekt weiter stockt, eine Restrukturierung verzögert wird oder eine kritische Entscheidung unterbleibt? Das betrifft die Opportunitätskosten.

Was Unternehmen jetzt praktisch tun können

Der Markt für Interim Management wird aus meiner Sicht nicht pauschal teurer oder günstiger. Er differenziert sich stärker.

Klar umrissene operative und fachliche Mandate werden vergleichbarer und damit häufig auch preissensitiver eingekauft. Bei unternehmenskritischen Krisen-, Restrukturierungs-, Transformations-, M&A- und C-Level-Mandaten entscheidet dagegen zunehmend die nachweisbare Fähigkeit, Wirkung zu erzeugen.

Ein Tagessatz von 3.000 Euro oder 3.500 CHF ist kein “Qualitätssiegel”. Er kann jedoch angemessen sein, wenn eine außergewöhnlich kompetente Führungspersönlichkeit in einer kritischen Lage schnell Orientierung schafft, relevante Entscheidungen durchsetzt – und einen messbaren wirtschaftlichen Beitrag leistet.

Für Unternehmen, Eigentümer und Investoren bedeutet das: Nicht am Tagessatz beginnen. Zuerst den Handlungsdruck, das Risiko, die Ergebnisziele und die notwendige Verantwortung präzise beschreiben. Erst dann lässt sich beurteilen, ob ein Interim Experte, eine Interim Führungskraft, ein Interim Executive oder ein Interim Top Executive erforderlich ist.

Sie prüfen aktuell die Besetzung einer kritischen Führungs-, Restrukturierungs- oder Transformationsaufgabe?

Dann sprechen Sie mit uns über Ausgangslage, Zielbild, Verantwortungsumfang und die dafür erforderliche Persönlichkeit. Erst daraus ergibt sich, welche Seniorität – und welcher Tagessatz – für Ihr Unternehmen wirtschaftlich angemessen ist.

Über den Autor

Dr. Harald Schönfeld ist Geschäftsführer der butterflymanager GmbH. Seit 2003 unterstützt er Unternehmen in Deutschland, der Schweiz und Österreich bei Interim Management, Fractional Management sowie der Besetzung kritischer Führungsaufgaben.

schoenfeld@butterflymanager.com