Interim Manager richtig auswählen: Wenn eine Führungsvakanz teuer wird

Kurz beantwortet: Interim Management ist dann sinnvoll, wenn ein Unternehmen kurzfristig erfahrene Führung benötigt – um eine kritische Vakanz zu überbrücken, wirtschaftliche Risiken zu begrenzen oder eine wichtige Veränderung konsequent umzusetzen.
Bei der Auswahl zählt jedoch weit mehr als fachliche Erfahrung, schnelle Verfügbarkeit oder ein attraktiver Tagessatz. Entscheidend ist, welcher Interim Manager glaubhaft vermittelt, dass er die konkrete unternehmerische Situation fachlich, persönlich und methodisch beherrscht – und die vereinbarten Ziele unter den gegebenen Bedingungen zuverlässig erreichen kann.
Ein CFO verlässt das Unternehmen kurzfristig. Vielleicht nach einer Trennung, vielleicht wegen Krankheit oder weil eine strategische Neuausrichtung einen Wechsel unvermeidbar gemacht hat.
Die Suche nach einer dauerhaften Nachfolge beginnt sofort. Doch bis eine überzeugende Führungspersönlichkeit gefunden ist, ihre Kündigungsfrist erfüllt und das Unternehmen, die Zahlen und die Menschen wirklich verstanden hat, vergehen häufig viele Monate.
Diese Zeit ist nicht neutral.
Die Bank erwartet belastbare Zahlen und klare Ansprechpartner. Das Finanzteam braucht Orientierung. Der Monatsabschluss, Forecasts und Liquiditätssteuerung dürfen nicht ins Stocken geraten. Investitionen, Kundenprojekte oder Restrukturierungsmassnahmen verlangen Entscheidungen – während die Geschäftsführung zusätzlich eine Funktion absichern muss, für die ihr im Tagesgeschäft oft Zeit, Detailwissen und operative Kapazität fehlen.
Die Risiken entstehen dabei selten mit einem einzigen großen Fehler. Sie wachsen schleichend: Abweichungen werden später erkannt, Entscheidungen vertagt, Mitarbeitende verunsichert und das Vertrauen von Banken, Kunden oder Eigentümern auf die Probe gestellt.
Die erste Reaktion lautet in dieser Lage häufig: „Schicken Sie uns schnell eine Auswahl verfügbarer Interim Manager.“
Das ist verständlich. Aber genau hier beginnt das eigentliche Risiko.
Denn eine kritische Führungsvakanz wird nicht dadurch beherrschbar, dass möglichst schnell ein überzeugender Lebenslauf gefunden wird. Sie wird dann beherrschbar, wenn die richtige Führungspersönlichkeit einen präzisen Auftrag erhält, die notwendigen Entscheidungsrechte besitzt und vom ersten Tag an an den entscheidenden Hebeln arbeitet.
„Ein passender Lebenslauf ist der Anfang. Eine erfolgreiche Interim-Besetzung entsteht, wenn Auftrag, Persönlichkeit, Verantwortung und Begleitung zusammenpassen“
Dr. Harald Schönfeld
Eine Führungsvakanz ist mehr als ein Personalproblem
Fällt ein CEO, CFO, COO oder Bereichsleiter aus, bleibt nicht einfach eine Position im Organigramm leer. In vielen mittelständischen Unternehmen fehlt plötzlich die Person, die Entscheidungen vorbereitet, Prioritäten setzt, Beziehungen trägt und Eskalationen rechtzeitig auslöst.
Die Folgen zeigen sich oft nicht sofort in der Gewinn- und Verlustrechnung. Sie bauen sich schleichend auf:
- Liquiditätsrisiken, Kostenabweichungen oder Projektprobleme werden zu spät erkannt.
- Forecasts verlieren an Verlässlichkeit, weil Daten, Verantwortlichkeiten und Entscheidungen nicht zusammengeführt werden.
- Kunden erhalten keine klaren Antworten, Projekte verlieren Tempo und wichtige Entscheidungen werden vertagt.
- Banken, Gesellschafter oder Investoren erwarten Transparenz, während intern Zuständigkeiten ungeklärt sind.
- Gute Mitarbeitende erleben Unsicherheit und beginnen, ihre beruflichen Alternativen zu prüfen.
Gerade im Mittelstand kann sich dies rasch zuspitzen. Dort hängt die Stabilität häufig an wenigen Führungspersönlichkeiten, die nicht nur ihre Funktion erfüllen, sondern Kundenbeziehungen, Bankengespräche, operative Abläufe und das Vertrauen im Team zusammenhalten.
Der wirtschaftliche Druck ist dabei real. Mittelständische Unternehmen stehen unter dem Einfluss von Fachkräfteengpässen, Kostensteigerungen, Transformationsanforderungen und unsicheren Rahmenbedingungen – wie die KfW-Analysen zum Mittelstand und die Arbeitsmarktanalysen des Schweizer SECO zeigen. Auch die Entwicklung der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland macht deutlich, wie teuer verspätete Transparenz und verzögerte Entscheidungen werden können.
„Die entscheidende Frage lautet: Wie können wir sicherstellen, dass aus dieser Führungsvakanz kein wirtschaftlicher Schaden entsteht?“
Dr. Harald Schönfeld
Der häufigste Fehler: Das Profil wird vor der Klärung der Aufgabe gesucht
Kehren wir zum Beispiel des ausgeschiedenen CFO zurück.
In unserer Praxis wurden wir von unserem Auftraggeber konkret mit der folgenden Frage konfrontiert: „Können Sie uns helfen? Wir brauchen per sofort einen Interim CFO mit Restrukturierungserfahrung.“
Das klang zunächst päzise. Bei näherem Hinsehen, wurde jedoch nur eine Funktion beschrieben, nicht die Aufgabe oder gar wichtige Ziele oder Prioritäten, die – mehr oder weniger deutlich – im Raum standen.
Wir fragten: „Geht es wirklich um eine „Restrukturierung“? Oder fehlt dem Unternehmen vor allem Transparenz über Cash und Working Capital? Braucht es einen glaubwürdigen Ansprechpartner für die Banken? Muss ein verunsichertes Finanzteam stabilisiert werden? Oder ist parallel noch ein Verkaufsprozess, ein ERP-Projekt oder eine Nachfolge zu steuern?““
Die Antworten in den Gesprächen mit unseren Ansprechpartnern veränderten die zunächst angedachte Auswahl vollständig. Es wurde klar: Das Unternehmen braucht keinen „teuren“ Restrukturierer. Es brauchte vor allem einen bodenständigen und branchenkundigen CFO auf Zeit, der in wenigen Tagen Transparenz schafft, mit Banken glaubwürdig kommuniziert, die Organisation beruhigt und die Geschäftsführung zu klaren Entscheidungen befähigt.
Im Rückblick war diese Präzisierung wichtig, damit der Interim Manager vom ersten Tag an die richtigen Hebel bearbeitet – und eine Person dafür ausgewählt wird, die gerade darin richtig gut ist. Und zwar nachweislich!
Fünf Fragen vor jeder Interim-Besetzung
1. Welches Ergebnis muss erreicht werden?
Nicht: „Wir brauchen einen Interim Manager.“
Sondern: „Wir benötigen innerhalb von 30 Tagen belastbare Transparenz über Cash und Working Capital, einen funktionierenden Monatsabschluss und eine verlässliche, vertrauensvolle Kommunikation mit unseren finanzierenden Banken.“
Je genauer das erwartete Ergebnis, desto besser die Auswahl.
2. Welche Situation muss der Manager schon gemeistert haben?
Branchenkenntnis ist wertvoll. Entscheidend ist aber vergleichbare Bewährung.
Hat der Kandidat bereits unter ähnlichem Zeitdruck Liquidität gesichert, ein Team stabilisiert, eine Nachfolge überbrückt oder eine Transformation geführt? Kann er mit Eigentümern, Verwaltungsrat, Banken und operativer Mannschaft zugleich arbeiten?
Ein Lebenslauf zeigt Stationen – und auch das nur im Rückblick. Eine belastbare Auswahl prüft, ob jemand die entscheidende Lage bereits erfolgreich beherrscht hat.
3. Welche Verantwortung und Befugnisse erhält er?
Ein Interim Manager kann nicht wirksam führen und Ergebnisse erzielen, wenn seine Verantwortung gross, sein Mandat aber unklar ist.
Was darf er entscheiden? Welche Informationen stehen ihm zur Verfügung? Wer ist der direkte Auftraggeber? Welche Entscheidungen müssen Geschäftsführung, Eigentümer oder Verwaltungsrat rechtzeitig treffen? Der Swiss Code of Best Practice for Corporate Governance sowie der Deutsche Corporate Governance Kodex unterstreichen die Bedeutung eindeutiger Steuerungs- und Verantwortungsstrukturen.
„Klare Rollen und Verantwortlichkeiten sind im Interim Management keine Formalität. Sie sind die Voraussetzung dafür, dass Führung unter Zeitdruck funktioniert.“
Dr. Harald Schönfeld
4. Wie wird aus Auswahl eine tragfähige Entscheidung?
Unter Zeitdruck wirkt eine breite Shortlist zunächst sicher. Tatsächlich verlagert sie die Unsicherheit oft nur zum Auftraggeber.
Wirklich hilfreich sind wenige Kandidaten, die sich fundiert vergleichen lassen: nach vergleichbarer Erfahrung, Führungspersönlichkeit, Verfügbarkeit, Mandatsverständnis, Referenzen und realistischer Wirkungserwartung.
Die bessere Frage lautet nicht: Wer könnte die Rolle übernehmen? Sondern: Wer kann diese Lage mit dem geringsten Risiko und der grössten Wirkung führen?
5. Wer spricht Probleme an, bevor sie teuer werden?
Auch ein gut gestartetes Mandat kann sich verändern. Banken stellen neue Anforderungen. Der Eigentümer setzt andere Prioritäten. Konflikte im Führungsteam werden sichtbar. Ein Mandat wächst über seine ursprüngliche Aufgabenstellung hinaus.
Dann braucht es einen Rahmen, in dem Risiken, Zielkonflikte und notwendige Entscheidungen früh angesprochen werden. Nicht als Kontrolle des Interim Managers, sondern als Absicherung des Auftrags.
„Eine reine Vermittlung endet mit der Unterschrift. Die Verantwortung für eine wirksame Besetzung beginnt dort erst.“
Dr. Harald Schönfeld
Was butterflymanager für Auftraggeber absichert
butterflymanager versteht Interim Management nicht als blosse Übermittlung verfügbarer Profile. Wir unterstützen Unternehmen dabei, unter Zeitdruck eine kritische Führungsentscheidung fundiert zu treffen – und die Wirkung des Mandats über die gesamte Dauer hinweg aktiv abzusichern.
| Was butterflymanager leistet | Was es für den Auftraggeber bedeutet |
|---|---|
| Präzise Auftragsklärung | Aus einer offenen Suche wird ein Mandat mit klarer Wirkungserwartung |
| Unabhängige Kandidatensuche | Die Aufgabe bestimmt die Auswahl, nicht die Auslastung eines festen Pools oder Partnerkreises |
| Strukturierte Entscheidungsunterstützung | Wenige passende Kandidaten statt einer unübersichtlichen Profilmenge |
| Klare Vertragspartnerschaft | Transparenz bei Verantwortung, Leistung, Vergütung und Eskalation |
| Projektbegleitung und Qualitätsreviews | Risiken und notwendige Kurskorrekturen werden früh sichtbar |
Zur Vertiefung: Die butterflymanager®-Methode. 5 Schritte-System für Sicherheit und Resultate.
Nach Dr. Harald Schönfeld | Bewährt seit 2003
Die Aufgabe bestimmt die Auswahl
Ein fester Kandidatenpool oder Partnerkreis kann Geschwindigkeit schaffen. Er kann aber auch dazu führen, dass zuerst die gerade verfügbaren Profile betrachtet werden und erst danach deren Passung geprüft wird. Bei butterflymanager beginnt die Suche mit der unternehmerischen Herausforderung. Wir verbinden ein kuratiertes Netzwerk erfahrener Interim Manager mit einer unabhängigen, aufgabenbezogenen Auswahl.
Für den Auftraggeber bedeutet das: Nicht die aktuelle Auslastung eines Kandidatenpools bestimmt die Empfehlung, sondern das, was das Unternehmen jetzt wirklich benötigt.
Die Festbesetzung bleibt wichtig – und braucht ihre Zeit
Eine Festbesetzung ist bei langfristig angelegten Schlüsselrollen meist die beste Lösung. Doch die Suche, Auswahl, Kündigungsfrist und Einarbeitung einer geeigneten Führungskraft beanspruchen in der Praxis häufig mehrere Monate.
In dieser Zeit darf das Unternehmen, der betroffene Bereich oder die Abteilung, nicht in einer kritischen Phase allein gelassen werden.
Die Herausforderung, qualifizierte Führungskräfte zu gewinnen und gleichzeitig Veränderungsfähigkeit zu sichern, beschäftigt mittelständische Unternehmen weit über den DACH-Raum hinaus. Der OECD SME and Entrepreneurship Outlook und der Finanzstabilitätsbericht der Deutschen Bundesbank liefern dazu einen breiteren wirtschaftlichen Kontext.
„Ein Interim Manager ersetzt keine Festbesetzung. Er schützt das Unternehmen während der Übergangszeit: Er sorgt für belastbare Führung, schafft Transparenz, stabilisiert Teams und hält wichtige Themen in Bewegung, während die langfristige Nachfolge sorgfältig vorbereitet wird.“
Dr. Harald Schönfeld
Wann Interim Management nicht die richtige Lösung ist
Interim Management ist kein Ersatz für fehlende unternehmerische Entscheidungen.
Wenn Eigentümer, Verwaltungsrat oder Geschäftsführung zentrale Zielkonflikte offenlassen, kann auch ein exzellenter Interim Manager keine dauerhafte Wirkung erzeugen. Er kann Optionen strukturieren, Entscheidungen vorbereiten und Umsetzung verantworten. Er kann jedoch keine dauerhaft unklaren Mandate, fehlende Rückendeckung oder uneinige Entscheidungsgremien kompensieren.
Auch eine direkte Festbesetzung kann sinnvoller sein, wenn:
- Eine geeignete Führungspersönlichkeit kurzfristig verfügbar ist.
- Keine akute Stabilisierung oder Veränderung erforderlich ist.
- Die langfristige Rolle klar definiert wurde.
- Das Unternehmen ausreichend Zeit für eine sorgfältige Einarbeitung hat.
„Interim Management entfaltet seine grösste Wirkung, wenn die unternehmerische Entscheidung getroffen ist, die Umsetzung aber unter Zeitdruck steht.“
Dr. Harald Schönfeld
Häufige Fragen zur Auswahl eines Interim Managers (FAQ)
Wie schnell kann ein Interim Manager starten?
Ein Interim Manager kann meist innerhalb weniger Tage starten. Im Einzelfall hängt es von Funktion, Branche, Standort und Komplexität der Situation ab. In kritischen Mandaten sollte die Auswahl schnell erfolgen, ohne die Passung zur konkreten Aufgabe zu vernachlässigen.
Was unterscheidet Interim Management von Personalvermittlung?
Die Personalvermittlung endet im Regelfall mit der erfolgreichen Besetzung. Professionelles Interim Management eines renommierten Interim Management Providers umfasst darüber hinaus Auftragsklärung, situativ passende Auswahl, klare Vertragspartnerschaft und eine Begleitung des Mandats während der Umsetzung.
Wann ist ein Interim CFO sinnvoll?
Ein Interim CFO ist besonders sinnvoll bei kurzfristigen Vakanzen, Liquiditäts- und Transparenzbedarf, Bankenkommunikation, Restrukturierungen, Transaktionen, ERP-Projekten oder während der Suche nach einer dauerhaften CFO-Nachfolge.
Nächster Schritt
Sie suchen einen Interim Manager für eine kritische Führungsaufgabe?
Sprechen Sie mit butterflymanager. In einem ersten Austausch sprechen wir mit Ihnen über Ihre Situation, die anstehenden Herausforderungen, welche Wirkung kurzfristig erforderlich ist oder Priorität hat – und welche Führungspersönlichkeit Ihr Unternehmen jetzt braucht.
Über den Autor
Dr. Harald Schönfeld ist Geschäftsführer der butterflymanager GmbH. Seit 2003 beschäftigt er sich mit Interim Management, Führung auf Zeit sowie der Besetzung und Begleitung anspruchsvoller Managementmandate. butterflymanager unterstützt Unternehmen im deutschsprachigen Raum (Schweiz, Deutschland, Österreich) bei Transformation, Restrukturierung, Vakanzüberbrückung und der Suche nach erfahrenen Interim Executives.